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Guter Chef, gesunde Mitarbeiter

Viele Firmen haben erkannt: Gesunde, motivierte Angestellte sind ihr größtes Kapital. Welch großen Einfluss Führungskräfte auf die Psyche ihres Teams haben und was einen guten Chef ausmacht
von Sonja Gibis, 11.08.2016

Zentrale Figur: Der Vorgesetzte hat großen Einfluss auf die psychische Gesundheit

W&B/Philipp Nemenz

"Herr Berger, Sie waren immer ein Vorbild für das ganze Team." Der Mann im Anzug wirkt nervös, während er das sagt. Als Abteilungsleiter einer Bank verwaltet er sonst Millionen. Ungerührt. Doch heute nestelt er nervös an seiner Krawatte. "Seit einigen Wochen fällt mir auf, dass Sie sich zurückziehen", sagt er und spickt auf einen Zettel. "Gibt es etwas, das Sie bedrückt?" Herr Berger verschränkt die Arme. Nun kommt es auf jedes Wort an. Wird er seinem Chef von seiner Erschöpfung ­erzählen? Den Nächten ohne Schlaf?

Nachhilfe in gutem Führungsstil

Real ist an dieser Szene nur die Nervosität des Bankers. Herr Berger ist ebenfalls Abteilungsleiter. Den Burn-out-gefährdeten Mitarbeiter mimt er in einem Training für Führungskräfte, entwickelt von Dr. Werner Kissling, Psychiater am Klinikum rechts der Isar in München. Seit zehn Jahren gibt er, unterstützt von einem Psychologen-Team, Führungskräften Nachhilfe darin, wie sie psychische Erkrankungen frühzeitig erkennen und ihnen vorbeugen können. Ein erster Schritt bei dem Verdacht auf ein Problem: das Fürsorgegespräch. Wie mit Herrn Berger. "Viele tun sich damit erst mal schwer", sagt Kissling.

Doch die Welt der Wirtschaft hat begonnen zu lernen. "Psyche? Das haben wir hier nicht!" Solche Sätze hörte Kissling früher öfter. Inzwischen haben viele Firmen erkannt: Gesunde, motivierte Mitarbeiter sind ihr größtes Kapital.

Chefs spielen eine Schlüsselrolle

Studien belegen, was jedem intuitiv klar ist: Die Führungskräfte spielen hierbei eine Schlüsselrolle. "Versetzen Sie einen schlechten Chef, nimmt er den hohen Krankenstand im Team oft mit", sagt Kissling.

Führungsstil und Gesundheit ist auch ein Spezialgebiet von Professor Joachim Fischer, Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Heidelberg. Nach vielen Jahren der Forschung hält er Vorträge mit Titeln wie: "Warum der Chef langfristig wichtiger ist als jeder Arzt." Denn ob in der Arbeit Eiszeit herrscht, liegt vor allem an ihm.

Mehr Freusinn führt zu mehr Gesundheit

Um das Gefühl zu beschreiben, das einen mit Elan arbeiten lässt, hat Fischer einen Begriff kreiert: Freusinn, eine Mischung aus Freude und dem Gefühl von Sinnhaftigkeit. Zehn Prozent mehr "Freusinn", das macht sieben Prozent mehr Gesundheit und fünf Prozent mehr Produktivität, so sein Forschungsergebnis. In das Arbeitsklima zu investieren rechnet sich also auch für die Firmen.

Doch wie wird man ein guter Chef? Naturtalente seien selten, ist Fischers Erfahrung. Doch hat er eine gute Nachricht: "Chef-Sein kann man lernen wie Autofahren." Und immer mehr Firmen engagieren "Fahrlehrer" wie Kissling und Fischer.

Warum Wertschätzung so wichtig ist

"Um ein guter Chef sein zu können, braucht man Zeit", betont Fischer. Nur wer die Mitarbeiter gut kennt, kann sie nach ihren Stärken einsetzen und merkt, wer Herausforderungen braucht oder eher Entlastung. Ein engagierter Chef gibt Spielraum für Entfaltung, macht aber auch klar, was er erwartet. Mikromanagement, übertriebenes Einmischen, sei dagegen out. "Eine Hauptaufgabe vieler Chefs ist es heute, das soziale Puzzle zu organisieren."

Eine wichtige Quelle für mehr "Freusinn" im Team: Wertschätzung. In Kisslings Training erhalten die Teilnehmer Stift, Papier – und eine kniffelige Frage: Woran hätten Ihre Mitarbeiter gestern merken können, dass Sie sie wertschätzen? Nicht selten bleibt das Blatt erst mal leer.

Der Lebensstil des Chefs färbt ab

Doch das allein macht noch keine gute Führung aus. Jeder Chef ist zudem ein Rollenmodell. Sitzt er bis nachts um zehn gestresst am Schreibtisch, unterbrochen nur von Kaffee- und Rauchpausen, achten auch die Mitarbeiter weniger auf sich. Ist ihm ein gesunder Lebensstil wichtig, färbt das ebenfalls ab.

Ein guter Chef kümmert sich also nicht nur um seine Mitarbeiter, er kümmert sich auch um sich selbst. Damit beugt er zudem eigenen Krisen vor. Als Chef ist er nämlich dafür besonders gefährdet.

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Bildnachweis: F1Online / ER productions Ltd / BlendImages, W&B/Philipp Nemenz

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