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Urlaub ohne Beziehungskrise

Von wegen "die schönsten Wochen des Jahres". Glaubt man Umfragen, streiten sich Paare in den Ferien besonders oft. Unsere Expertin hat Tipps für mehr Harmonie
von Alexandra von Knobloch, aktualisiert am 05.08.2016

Weg verfehlt? Über solche Pannen könnte man streiten – oder sie wegküssen

Shutterstock / Jacob Lund

Ausruhen. Mal zwei, drei Wochen keinen Stress haben, vom Alltag nichts hören und nichts sehen. Das ist eine der wichtigsten Erwartungen der Deutschen an ihren Urlaub. Doch gerade in den Ferien klaffen Wunsch und Wirklichkeit schnell auseinander. Schon während der anstrengenden Anreise macht sich bei vielen Paaren Gereiztheit breit. Dann reicht ein Regenguss, wenn man sich auf das erste Bad im Meer gefreut hatte – und der Tag endet im Streit. Bei einigen Paaren steigern sich solche Auseinandersetzungen zur Generalabrechnung, an der die Beziehung zu zerbrechen droht.

Hohe Erwartungen belasten den Urlaub

Therapeuten kennen dieses Phänomen: Gemeinsames Verreisen birgt Konfliktstoff. "Viele Menschen haben sehr hohe Erwartungen an den Urlaub", erklärt Andrea Bräu, Paar- und Sexualtherapeutin aus München. Er soll für alles entschädigen, was im Lauf des Jahres im Privatleben zu kurz kam. "Im Grunde wissen wir, dass die Wunschvorstellungen kaum einzulösen sind", sagt Bräu. Aber kaum jemand macht sich den Widerspruch bewusst.

Viele Enttäuschungen ließen sich vermeiden, wenn Paare diese Ansprüche und Wünsche im Vorfeld eines Urlaubs – oder spätestens bei der Planung vor Ort – aussprechen würden. Dann könnten sie ihre Pläne so abstimmen, dass sich jeder Beteiligte im gemeinsamen Urlaub wohlfühlen kann. Zu bedenken ist zum Beispiel: Was empfinde ich persönlich als einen erholsamen Urlaub? Was und viel möchte ich mit dem Partner oder anderen Reisenden unternehmen? Welche Freiräume wünsche ich für mich? Wie verteilen wir die Aufgaben am Urlaubsort?

Heilmittel gegen Streit: Rechtzeitige Absprachen

"Besprechen Sie solche Themen rechtzeitig offen", rät Bräu, "suchen Sie echte Kompromisse, also Entscheidungen, die Sie mittragen und nicht nur ertragen." Dabei kann es hilfreich sein, die letzte Reise Revue passieren zu lassen: Was war schön, was nicht so toll? Wie kriegen wir es besser hin?

Häufig setzen sich Urlauber außerdem selbst unter Druck, indem sie nach dem letzten Arbeitstag sofort in die Ferien starten. Sie sind dann gestresst und reagieren empfindlich. Streit ist programmiert. Sinnvoller wäre es, sich ein oder zwei Tage zu Hause zu gönnen und entspannt auf Freizeit umzuschalten.

Das grenzenlose Miteinander im Urlaub birgt ein weiteres Risiko für die Harmonie. Nicht selten erleben Paare eine unvermutete Hilflosigkeit im engen Umgang miteinander. Denn zu Hause begegnen sie sich oft nur selten. Studien belegen, dass Partner im Durchschnitt nur wenige Minuten am Tag miteinander reden – und zwar häufig über Organisatorisches.

Nähe wird zum Härtetest

"Im Urlaub hocken sie dann plötzlich 24 Stunden täglich aufeinander", sagt Bräu, "und haben Schwierigkeiten, sich aufeinander einzustellen." Dabei brechen mitunter lang gehegte Konflikte auf, die vom Alltagstrott überdeckt waren – etwa über die Rollenverteilung in der Familie. Andere Paare stellen fest, dass sie sich nicht mehr viel zu sagen haben. "Die Realität einer Beziehung tritt im Urlaub klarer hervor", erklärt Paartherapeutin Bräu.

Die beste Versicherung gegen solche Krisen wäre es, sich ganzjährig bewusst um eine liebevolle Beziehung zu kümmern. "Schieben Sie in den Alltag immer wieder Mini-Urlaube ein", empfiehlt Bräu. Zum Beispiel einen festen Abend pro Woche, den die Partner gemeinsam verbringen.

Das Miteinander neu entdecken

Die Ferien bieten Gelegenheit, um damit anzufangen. Nicht zuletzt, weil für Kinder an jedem Urlaubsort eine Betreuung angeboten wird. So entsteht Zeit zu zweit. Ein erster Schritt könnte sein, dem Partner bei den kleinen Pannen, die es in jedem Urlaub gibt, demonstrativ den Rücken zu stärken, statt zu meckern. Ist zum Beispiel das Museum geschlossen, das man gerne besichtigen wollte, kann man darüber streiten, warum der Besuch falsch vorbereitet war. Man kann sich aber auch ins nächste Café setzen und einen schönen Abend zusammen planen.

Beispiele, dass solche Strategien wirken, kennt Paartherapeutin Bräu aus ihrer Praxis: Partner, die vor dem Urlaub über Trennung sprachen und hinterher optimistisch sind, dass ihre Beziehung weiter hält. "Ohne Ablenkung kann das Paar schauen, wo es steht, und was ihm das Herz öffnet", betont Bräu. Wer mit so einer positiven Grundstimmung an seine Ferien herangeht, hat Chancen, auch zwei Wochen Regen oder ein Hotelzimmer in Baustellennähe ohne großen Krach zu überstehen.



Bildnachweis: Shutterstock / Jacob Lund

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